Was da los, im Insektarium?
Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Ihr, Ihm und dem Zimmer.Das Zimmer hat ein Eigenleben und würde gerne als "Mitwesen" geliebt und gehört werden. Die Beziehung spielt bei vielen Texten von Jonke eine Rolle. Und wenn geliebt wird, zeigt Er Ihr wie man die Vögel dirigieren kann, wodurch sie sich umfliegend vor Bedrohungen schützen können. Oder, wie im Freien Fall, kommen die Jahrhunderte durchwandernden Er und Sie im Jetzt zusammen und finden mit Tinte auf ihre Körper geschriebene Sätze.
Ist es dein Gesicht auch dort im Schattenwetter
das morgens in alle Fenster dringt
durch alle Zimmer springt
diene Stimme sogar im Suppentellerschellen
das aus dem Mittagsschlaf der Schausteller klingt?...
(Ist Es)das Echo deines Rufens nach mir in den Karusellen
der schaukelnden Ruderboote,
die am Himmel verschnürt im niederbrennenden
Abend an die Taue schlagen
Sind es deine Atemzüge, die das Licht nach Westen tragen?..(Freier Fall)
Unter dem Phantastischen steckt immer auch die Sehnsucht nach der Aufhebung der Wirklichkeitswahrnehmung. Das Vehikel, wodurch Jonke mich mitnehmen kann, ist seine gewaltige, sprachliche Leichtigkeit. Jonkes Figuren zuzuhören ist wie wach zu träumen.
Die andere Facette in Jonkes Bezeihungsentwürfen ist das Entsetzliche, beschrieben in einer ungeheuren Zärtlichkeit. Im Erwachen zum großen Schlafkrieg zieht Sie in seine Wohnung um ihre Geschichten aufzuschreiben. Sie schreibt immer mehr und lebt immer weniger Geschichten. Mit allen Mitteln, Ausrede und auf sie eingehen, versucht er ihrem Wahn beizukommen und sich ihr anzunähern. Schließlich erfindet sie ihm eine neue gemeinsame Vergangenheit "fast so, als wollte sie ihm damit schmerzlich beibringen, daß diese gemeinsame Zukunft von ihr aus gesehen der Vergangenheit anzugehören hätte oder als wäre eine ihnen gemeinsame Zeit schon lange vorüber!"
Er und Sie. Ist's wirklich passiert, erfunden oder geträumt?
Beste Grüße :),
Marvin
